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Ich mag keine Telefone und bin nur ausnahmsweise davon zu überzeugen, dass ein Telefongespräch nötig oder auch nur sinnvoll ist. Feuerwehr, wenn es brennt, in Ordnung, von mir aus auch Liebende von geographischer Distanz gequält oder Terminvereinbarungen - es ist nicht so, dass ich die Vorteile des Telefons nicht auch sehen würde. Aber zur Informationsbeschaffung und -übermittlung halte ich es im Allgemeinen für ungeeignet, ganz besonders aber mich betreffend: - Anrufe sind konzentriertem Arbeiten abträglich; wenn ich aber nicht konzentriert arbeiten kann, lässt sich die anfallende Arbeit nicht mehr bewältigen - Erfahrungsgemäss lassen sich die wenigsten Fragen am Telefon befriedigend beantworten - meistens geht es um Bücher, die sich aber im auswärtigen Lager befinden - Die meisten Fragen, die auch immer wieder telefonisch gestellt werden, finden Sie unter dem Link Fragen? beantwortet. - Telefonisch übermittelte Daten (Adresse, Kreditkarteninformationen etc.) sind nicht nur sehr zeitraubend zu erfassen, sondern auch fehleranfällig - Ich bearbeite täglich Dutzende von E-Mails; Sie können bei dringenden E-Mail Anfragen mit einer schnellen Antwort rechnen - sofern ich anwesend bin (andernfalls bringt aber auch das Telefon nichts) - Die Bücher des Comenius-Antiquariates werden fast ausschliesslich im Internet angeboten; ich kann also davon ausgehen, dass InteressentInnen über die Möglichkeit verfügen, mich per E-Mail zu kontaktieren. - Ich bin ein mehr ein lesender und schreibender Mensch und da es in meinem Beruf vor allem um Bücher geht hoffe ich, dass es Ihnen ähnlich geht. Falls Sie mich aber aber doch davon überzeugen können, dass ein Telefongespräch unumgänglich ist, rufe ich auch mal zurück. Auch das kommt vor. |
Auszug aus einem Artikel aus dem NZZ-Folio 9/99
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Die
Zukunft verspricht nicht endenden Telefonterror. Vor allem anderen ist es ein synchrones Kommunikationsmittel, das die gleichzeitige Aufmerksamkeit der Teilnehmer verlangt. Das Ferngespräch gleicht insofern dem persönlichen - von dem es sich jedoch radikal dadurch unterscheidet, dass die Teilnehmer sich nicht am selben Ort befinden. Daraus folgt, dass Telefonate prinzipiell stören. Angerufen zu werden unterbricht den eigenen Arbeits- und Lebensrhythmus. Das Telefon ist, wie Marshall McLuhan feststellte, ein «unwiderstehlicher Eindringling», der sich nicht wie Radio oder Fernsehen in den Hintergrund schieben lässt. Zu
telefonieren ist daher eine herrschaftsförmige Aktivität,
bei der eine Partei der anderen ihre Zeit aufzwingt. Welchen Einfluss
jemand hat, zeigt sich im Alltag daran, ob er Anrufe durch Hilfskräfte
oder Technik blockieren kann und wie zügig er selbst durchgestellt
wird. Nur innerhalb klarer Hierarchien - im militärischen Umfeld
oder im Binnenverkehr traditioneller Konzerne - funktioniert das
Telefon daher leidlich. In der Kommunikation halbwegs Gleichberechtigter
jedoch erweist es sich als Zeitvernichtungsmaschine. Erhebungen
zeigen, dass nur gerade ein Viertel aller Anrufe die gewünschte
Person erreichen. Das
Problem der Synchronisierung von Lebenszeiten ist jedoch nur ein
Teil der strukturell bedingten Ineffektivität. Der zweite besteht
in der Flüchtigkeit der Technik. Normale Telefonkommunikation
hinterlässt im Gegensatz zum Brief oder Telegrafen keine verwertbaren
Spuren. Dieser Mangel war von Anfang an bekannt. Die Bosse der Telegrafengesellschaften,
die das Kommunikationsgeschäft vor dem Telefon dominierten,
lehnten jede Investition in eine solche Spielzeugtechnik ab. Edison,
der bedeutendste Erfinder der Epoche, war ihrer Ansicht. Bereits
1877 stellte er eine eigene Neuentwicklung vor, die das Telefon
geschäftsfähig machen sollte: den Phonographen. Mit ihm
liessen sich Ferngespräche aufzeichnen und archivieren - allerdings
nicht auf die übliche schriftliche Weise, weshalb das Verfahren
sich nicht durchsetzte. In bestimmten Branchen war es noch eine
Weile üblich, Telefonate mitzustenographieren. Die nächste
Generation von Geschäftsleuten, mit der neuen Mündlichkeit
aufgewachsen, nahm dann die schriftferne Unmittelbarkeit des Mediums
als normal hin. Das
Telefon veränderte so die sozialen Riten, und zwar nicht zum
Besseren. Viele der üblichen Papierspuren, die Arbeit und Geschäft,
Leben und Lieben hinterliessen, verloren sich. Die fernmündliche
Kommunikation tötete eine jahrhundertealte Briefkultur; nicht
nur zum Leidwesen von Historikern und Literaturwissenschaftern.
Die Begeisterung, mit der viele Opfer von Diktaturen in diesem Jahrhundert
ihre Akten eingesehen haben, indiziert die weiterreichende Bedeutung
der Aufzeichnungen und Telefonmitschnitte: Sie vergegenwärtigen
das verquasselte und vertelefonierte Leben, sie ersetzen die eigenen,
nie geschriebenen Dokumente. Der Aufstieg der neuen Mündlichkeit
zeigt sich unter dieser Perspektive als Verlust, als Rückschritt
auf eine vorzivilisatorische Stufe. «Keine mündliche
Gesellschaft, keine menschliche Gruppe, die allein durch Rede kommunizierte,
ohne schriftliche Kopien zu produzieren», stellt der Medienhistoriker
Paul Levinson in seiner Geschichte der Informationsrevolution fest,
«hat je irgend etwas erreicht, das wir "Zivilisation"
nennen könnten.» Wer
an jemanden schreibt, scheint zwar zu ihm zu sprechen, nur eben
zeitversetzt. Dieses asynchrone Sprechen unterscheidet sich jedoch
kategorial von reiner Mündlichkeit. Die schriftliche ist eine
kondensierte und korrigierte Rede, in die zwangsläufig ein
Mehr an Zeit und damit selbst im «gedankenlosen» Schreiben
ein Mehr an Reflexion investiert wurde. Sie sorgt für eine
Stabilisierung und Kodifizierung des kollektiven wie des individuellen
Wissens. Mündlichkeit hingegen treibt uns in die Falle der
Gegenwärtigkeit. Dem Gründer der Illustrierten «Stern»,
Henri Nannen, sagt man nach, die traurige Wahrheit gelassen ausgesprochen
zu haben: «Was interessiert mich mein dummes Geschwätz
von gestern.» Diese Haltung garantiert die unendliche Wiederholung
solch dummen Geschwätzes, das Verdämmern in einer leerlaufenden
Gegenwart, in der wir, selbst wenn wir uns erinnern wollten, es
aus Mangel an Gedächtnis nicht könnten. Nannens Credo
ist insofern das ideale Motto sowohl für den Boulevardjournalismus
wie für die Epoche des Telefons. Diese
Ära neigt sich nun ihrem Ende entgegen. Eine Vielzahl von «remedial
media» hat sich im Bereich der Telefonie bereits durchgesetzt.
Der Begriff meint neue Techniken, die Mängel etablierter Medien
reparieren. Anrufbeantworter, Voice Mail, Pager und Handys bessern
die Erreichbarkeit auf. Das Fax rückt der Flüchtigkeit
der Kommunikation zu Leibe, indem es Schnekkenpost-Briefe auf Telefontempo
bringt. All diese Innovationen doktern jedoch an den Symptomen herum.
Anrufbeantworter zum Beispiel speichern zwar Nachrichten, sind jedoch
für die Darstellung komplexerer Zusammenhänge denkbar
ungeeignet; nicht zuletzt, weil die Nachricht vom Abhörenden
memoriert oder notiert werden muss. Erst
der vernetzte Computer erfüllt das wachsende Bedürfnis,
dem Terror der Synchronität und der Flüchtigkeit zu entkommen.
E-Mail ist zugleich asynchron und unmittelbar. Elektronischer Text
kann zudem zitiert, archiviert und mühelos nach bestimmten
Passagen durchsucht werden. «E-Mail kombiniert die Unmittelbarkeit
des Telefons oder des Gesprächs von Angesicht zu Angesicht
mit der Nachdenklichkeit (oder zumindest der Gelegenheit zu Nachdenklichkeit)
des geschriebenen Worts», schreibt der amerikanische Journalist
Michael Kinsley. Sein Damaskus-Erlebnis hatte er, als er von CNN
zu Microsoft wechselte, um dort das Online-Magazin «Slate»
herauszugeben. Das erste, was ihm an seinem neuen Arbeitsplatz auffiel,
war die Stille: Das Telefon klingelte nie. |
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