Telefonnummer lautet +4133 243 01 67 .:. Sie werden hier aber fast ausnahmslos dem
Beantworter begegnen; ich rufe auch nur in wirklich dringenden Fällen zurück.
Bitte senden Sie stattdessen eine E-Mail

Fax: +4133 243 01 68

 

Ich mag keine Telefone und bin nur ausnahmsweise davon zu überzeugen, dass ein Telefongespräch nötig oder auch nur sinnvoll ist.

Feuerwehr, wenn es brennt, in Ordnung, von mir aus auch Liebende von geographischer Distanz gequält oder Terminvereinbarungen - es ist nicht so, dass ich die Vorteile des Telefons nicht auch sehen würde.

Aber zur Informationsbeschaffung und -übermittlung halte ich es im Allgemeinen für ungeeignet, ganz besonders aber mich betreffend:

- Anrufe sind konzentriertem Arbeiten abträglich; wenn ich aber nicht konzentriert arbeiten kann, lässt sich die anfallende Arbeit nicht mehr bewältigen

- Erfahrungsgemäss lassen sich die wenigsten Fragen am Telefon befriedigend beantworten - meistens geht es um Bücher, die sich aber im auswärtigen Lager befinden

- Die meisten Fragen, die auch immer wieder telefonisch gestellt werden, finden Sie unter dem Link Fragen? beantwortet.

- Telefonisch übermittelte Daten (Adresse, Kreditkarteninformationen etc.) sind nicht nur sehr zeitraubend zu erfassen, sondern auch fehleranfällig

- Ich bearbeite täglich Dutzende von E-Mails; Sie können bei dringenden E-Mail Anfragen mit einer schnellen Antwort rechnen - sofern ich anwesend bin (andernfalls bringt aber auch das Telefon nichts)

- Die Bücher des Comenius-Antiquariates werden fast ausschliesslich im Internet angeboten; ich kann also davon ausgehen, dass InteressentInnen über die Möglichkeit verfügen, mich per E-Mail zu kontaktieren.

- Ich bin ein mehr ein lesender und schreibender Mensch und da es in meinem Beruf vor allem um Bücher geht hoffe ich, dass es Ihnen ähnlich geht.

Falls Sie mich aber aber doch davon überzeugen können, dass ein Telefongespräch unumgänglich ist, rufe ich auch mal zurück. Auch das kommt vor.

Samuel Hess

 

Auszug aus einem Artikel aus dem NZZ-Folio 9/99


Ausgebimmelt, abgebrabbelt!

Das Telefon war stets ein unwiderstehlicher Eindringling und hassenswerter Störenfried. Zum Glück wird es von menschlicheren Kommunikationsmitteln abgelöst.

Den ganzen Artikel finden Sie unter http://www-x.nzz.ch/folio/archiv/1999/09/articles/freyermuth.html

 

Die Zukunft verspricht nicht endenden Telefonterror.

Nun allerdings, da wir ihn nicht mehr von Bürokraten angetan bekommen, sondern ihn gegeneinander ausüben, lässt er sich vermeiden. Von der staatlichen Bevormundung im Gebrauch der Technik befreit, müssen wir bloss lernen, mit ihr richtig umzugehen, sie zu nutzen, wo sie Vorteile bietet, und sie sonst durch bessere Verfahren zu ersetzen.
Worin aber bestehen die Nachteile des Telefons?

Vor allem anderen ist es ein synchrones Kommunikationsmittel, das die gleichzeitige Aufmerksamkeit der Teilnehmer verlangt. Das Ferngespräch gleicht insofern dem persönlichen - von dem es sich jedoch radikal dadurch unterscheidet, dass die Teilnehmer sich nicht am selben Ort befinden. Daraus folgt, dass Telefonate prinzipiell stören. Angerufen zu werden unterbricht den eigenen Arbeits- und Lebensrhythmus. Das Telefon ist, wie Marshall McLuhan feststellte, ein «unwiderstehlicher Eindringling», der sich nicht wie Radio oder Fernsehen in den Hintergrund schieben lässt.

Zu telefonieren ist daher eine herrschaftsförmige Aktivität, bei der eine Partei der anderen ihre Zeit aufzwingt. Welchen Einfluss jemand hat, zeigt sich im Alltag daran, ob er Anrufe durch Hilfskräfte oder Technik blockieren kann und wie zügig er selbst durchgestellt wird. Nur innerhalb klarer Hierarchien - im militärischen Umfeld oder im Binnenverkehr traditioneller Konzerne - funktioniert das Telefon daher leidlich. In der Kommunikation halbwegs Gleichberechtigter jedoch erweist es sich als Zeitvernichtungsmaschine. Erhebungen zeigen, dass nur gerade ein Viertel aller Anrufe die gewünschte Person erreichen.

Das Problem der Synchronisierung von Lebenszeiten ist jedoch nur ein Teil der strukturell bedingten Ineffektivität. Der zweite besteht in der Flüchtigkeit der Technik. Normale Telefonkommunikation hinterlässt im Gegensatz zum Brief oder Telegrafen keine verwertbaren Spuren. Dieser Mangel war von Anfang an bekannt. Die Bosse der Telegrafengesellschaften, die das Kommunikationsgeschäft vor dem Telefon dominierten, lehnten jede Investition in eine solche Spielzeugtechnik ab. Edison, der bedeutendste Erfinder der Epoche, war ihrer Ansicht. Bereits 1877 stellte er eine eigene Neuentwicklung vor, die das Telefon geschäftsfähig machen sollte: den Phonographen. Mit ihm liessen sich Ferngespräche aufzeichnen und archivieren - allerdings nicht auf die übliche schriftliche Weise, weshalb das Verfahren sich nicht durchsetzte. In bestimmten Branchen war es noch eine Weile üblich, Telefonate mitzustenographieren. Die nächste Generation von Geschäftsleuten, mit der neuen Mündlichkeit aufgewachsen, nahm dann die schriftferne Unmittelbarkeit des Mediums als normal hin.

Das Telefon veränderte so die sozialen Riten, und zwar nicht zum Besseren. Viele der üblichen Papierspuren, die Arbeit und Geschäft, Leben und Lieben hinterliessen, verloren sich. Die fernmündliche Kommunikation tötete eine jahrhundertealte Briefkultur; nicht nur zum Leidwesen von Historikern und Literaturwissenschaftern. Die Begeisterung, mit der viele Opfer von Diktaturen in diesem Jahrhundert ihre Akten eingesehen haben, indiziert die weiterreichende Bedeutung der Aufzeichnungen und Telefonmitschnitte: Sie vergegenwärtigen das verquasselte und vertelefonierte Leben, sie ersetzen die eigenen, nie geschriebenen Dokumente. Der Aufstieg der neuen Mündlichkeit zeigt sich unter dieser Perspektive als Verlust, als Rückschritt auf eine vorzivilisatorische Stufe. «Keine mündliche Gesellschaft, keine menschliche Gruppe, die allein durch Rede kommunizierte, ohne schriftliche Kopien zu produzieren», stellt der Medienhistoriker Paul Levinson in seiner Geschichte der Informationsrevolution fest, «hat je irgend etwas erreicht, das wir "Zivilisation" nennen könnten.»

Wer an jemanden schreibt, scheint zwar zu ihm zu sprechen, nur eben zeitversetzt. Dieses asynchrone Sprechen unterscheidet sich jedoch kategorial von reiner Mündlichkeit. Die schriftliche ist eine kondensierte und korrigierte Rede, in die zwangsläufig ein Mehr an Zeit und damit selbst im «gedankenlosen» Schreiben ein Mehr an Reflexion investiert wurde. Sie sorgt für eine Stabilisierung und Kodifizierung des kollektiven wie des individuellen Wissens. Mündlichkeit hingegen treibt uns in die Falle der Gegenwärtigkeit. Dem Gründer der Illustrierten «Stern», Henri Nannen, sagt man nach, die traurige Wahrheit gelassen ausgesprochen zu haben: «Was interessiert mich mein dummes Geschwätz von gestern.» Diese Haltung garantiert die unendliche Wiederholung solch dummen Geschwätzes, das Verdämmern in einer leerlaufenden Gegenwart, in der wir, selbst wenn wir uns erinnern wollten, es aus Mangel an Gedächtnis nicht könnten. Nannens Credo ist insofern das ideale Motto sowohl für den Boulevardjournalismus wie für die Epoche des Telefons.

Diese Ära neigt sich nun ihrem Ende entgegen. Eine Vielzahl von «remedial media» hat sich im Bereich der Telefonie bereits durchgesetzt. Der Begriff meint neue Techniken, die Mängel etablierter Medien reparieren. Anrufbeantworter, Voice Mail, Pager und Handys bessern die Erreichbarkeit auf. Das Fax rückt der Flüchtigkeit der Kommunikation zu Leibe, indem es Schnekkenpost-Briefe auf Telefontempo bringt. All diese Innovationen doktern jedoch an den Symptomen herum. Anrufbeantworter zum Beispiel speichern zwar Nachrichten, sind jedoch für die Darstellung komplexerer Zusammenhänge denkbar ungeeignet; nicht zuletzt, weil die Nachricht vom Abhörenden memoriert oder notiert werden muss.

Erst der vernetzte Computer erfüllt das wachsende Bedürfnis, dem Terror der Synchronität und der Flüchtigkeit zu entkommen. E-Mail ist zugleich asynchron und unmittelbar. Elektronischer Text kann zudem zitiert, archiviert und mühelos nach bestimmten Passagen durchsucht werden. «E-Mail kombiniert die Unmittelbarkeit des Telefons oder des Gesprächs von Angesicht zu Angesicht mit der Nachdenklichkeit (oder zumindest der Gelegenheit zu Nachdenklichkeit) des geschriebenen Worts», schreibt der amerikanische Journalist Michael Kinsley. Sein Damaskus-Erlebnis hatte er, als er von CNN zu Microsoft wechselte, um dort das Online-Magazin «Slate» herauszugeben. Das erste, was ihm an seinem neuen Arbeitsplatz auffiel, war die Stille: Das Telefon klingelte nie.

Gundolf S. Freyermuth



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